Jugendbegegnung Taizé

Um die 100000 junge Christen reisen jedes Jahr nach Taizé, um zu beten, zu arbeiten und zu feiern. Auch dieses Jahr sind wir, vom Kirchenkreis Rotenburg, mit einer kleinen Gruppe in den großen ökumenischen Pilgerort inmitten der französischen Provinz gereist um die Wunder Taizés zu erleben. Mit einem Kleinbus fuhren wir durch die Nacht um pünktlich morgens zum Frühstück anzukommen und uns direkt einmal mit einem Brötchen, zwei Schokosticks und einer Schüssel Kakao zu stärken.

Nach einem kleinen Rundgang durch die Klosteranlage, bauten wir schon unsere Zelte auf einer sehr steinigen Wiese. Wir waren nicht einmal fertig, da läuteten schon die Glocken, was ein Zeichen war, dass das Gebet sehr bald beginnen wird.
Wir betraten den großen Gottesdienstraum und waren erst einmal sprachlos. Etwa 3000 Jugendliche waren dort versammelt, saßen auf dem Teppichboden oder auf kleinen hölzernen Gebetshockern und lauschten der dort herrschenden Stille. Vielleicht so vierzig Brüder saßen in weißen Gewändern in dem großen Rechteck inmitten des Raums. Die Liednummer erschien, sie stimmten das erste Lied an und rasch sangen alle Menschen gemeinsam „Laudate omnes Gentes“ auf ukrainisch. „Die Atmosphäre, die Gesänge, das ist Gänsehaut pur“, so eine Teilnehmerin. Ein Teil des Gebetes ist eine pure siebenminütige Stillephase. „Man kann hier richtig in sich kehren und über Alle Dinge nachdenken, welche gerade durch in den Kopf gehen Es ist der schönste Moment in dem Gebet“.

Morgens und Mittags heißt es nach dem Gebet, dass nun das Speisen dran ist. Eine Massenansammlung von Jugendlichen drängelt sich vor der Essensausgabe. Zum Mittag gibt es eine Kelle Kartoffelbrei, ein Würsten, dazu ein Jogurt, ein Keks und ein Pfirsich. Ein Teilnehemer dazu: „Es ist eine faszinierende Bescheidenheit hier beim Essen und die geringen Mengen reichen vollkommen aus. Man wird satt!.“

Die Jugendlichen in dem Kloster bekommen alle eine Arbeit zugeteilt damit der Ablauf, gar die ganze Zeit in dem Kloster funktioniert. Jeder arbeitet quasi für jeden. Es ist ein System, was an diesem besonderen Ort schon immer ohne Probleme funktioniert hat. Ein Teil aus unserer Gruppe war beim „Small Washing up“, nach dem Tee, tätig und hatte mit dem kleinen Geschirr zu tun. Der Andere Teil kümmerte sich beim „Big Washing up“, nach dem Abendessen, um die Töpfe, Behälter und Kannen u.a. zu reinigen. Nebenbei sangen wir in dem Team bekannte Lieder, was eine Motivation als auch eine unbeschreibliche Arbeitsatmosphäre in dem Team auslöste.

Den Abend haben wir sehr häufig im Qyak verbracht. Das ist der Treffpunkt für Alle, wo man gemeinsam feiern, spielen, singen und sogar etwas trinken und kaufen kann.

In unserer Woche waren sehr viele Spanier in Taizé. Sie sangen und tanzten ihre traditionellen Volkslieder, wo wir überlegt haben, was wir denn halbwegs vernünftiges haben und uns viel nichts ein.
Einige spielten gemeinsam Gitarre und Ukulele. Zu zweit waren wir auch dort indem Getümmel um die Musiker und sangen weltbekannte Lieder während des am Himmel stehenden Blutmondes.

Um 23 Uhr haben die Nightguards dann den Abend beendet und so wurde es still in Taizé. Manchmal lagen wir noch draußen und beobachteten den klaren Sternhimmel und dessen Wunder. Aber irgendwann war man dann auch froh über ein wenig Schlaf, den man sich mehr als verdient hat.

Die Woche startet immer mit einer meist internationalen Bibelgruppe, wo wir über Dinge sprechen, welche uns wirklich beschäftigen. Wie sind unsere Lebenspläne, zum Beispiel. Oder Warum lässt Gott das Böse zu. Taizé ist ein Ort, an dem man spürt, dass das Miteinander so stark ist, dass man solche Gespräche führen kann. „Der Glaube, die Freundlichkeit und die Offenheit aller machen Taizé zum dem Ort,
wo man Schwächen zeigen und über alles Reden kann und vor allem auch einen Ort der Stille hat, wo man Zeit nur für sich findet“.

Wir wurden mit einigen anderen aus aller Welt eingeladen mit den Brüdern in ihrem Haus Traubensaft und Brot zu uns zu nehmen und hatten das Privileg in einer gemütlichen Atmosphäre alle Fragen an Frère Alois, dem Prior der ökumenischen Gemeinschaft, zu
stellen welche er dann ausführlich beantwortet hat.

Samstags findet immer die Nacht der Lichter statt. Der Höhepunkt der Woche, wo an die Auferstehung Christi gedacht wird. Dort haben wir neben allen anderen eine kleine Stabkerze in die Hand bekommen und im Laufe des Gebetes haben die Brüder die ersten davon entzündet. In Wellen flackern nun tausende an Kerzen auf und erhellen den ganzen Raum. „Es ist ein unglaublicher Anblick, ein unglaubliches Gefühl , was alle nochmal mehr miteinander verbindet“.

Neben einer kleinen Wanderung, sehr vielen Erfahrungen und Erlebnissen bei täglich fast 40 Grad fällt es wirklich schwer wieder heimzukehren. „Taizé wird mir niemals jemand nehmen können“ sagte ein Teilnehmer.
Die Jugendlichen sind begeistert von der Sehnsucht nach Gemeinschaft und einem christlichen Leben ohne Kompromisse und radikaler Einfachheit, und pilgern aus Europa und mittlerweile auch aus der ganzen Welt nach Taizé, um an diesem besonderen Ort teilhaben zu dürfen. Wir wollen auf jedenfall wieder kommen.

Tom Dettmers